AGNBA: Automatisiertes
Gepäckhandling

Im Projekt "AGNBA" entwickelt verlinked zusammen mit seinen Forschungspartnern ein automatisiertes und digitales Gepäckhandlingsystem für Flughäfen. Durch den Einsatz vernetzter Sensoren und autonomer Verladeeinheiten wird die Effizienz gesteigert und die körperliche Belastung für das Flughafenpersonal reduziert.

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Autor Dr. Alexander Neumann Autor Nils Midderhoff
Autoren: Dr. Alexander Neumann, Nils Midderhoff
Aktualisiert: 14. April 2026, Lesedauer: 4 Min.

Für viele Reisende sind Flughäfen vor allem Durchgangsorte auf ihren Urlaubs- oder Geschäftsreisen. Sie stehen an der Sicherheitskontrolle, blicken auf die Abflugtafel und warten am Gate. Das alles wirkt erst einmal wie Routine.

Dahinter verbirgt sich jedoch ein permanenter Balanceakt aus Planung, Reaktionsfähigkeit und minutiöser Abstimmung. Ein moderner Flughafen ist keine einfache Infrastruktur, sondern eines der komplexesten logistischen Systeme unserer Zeit.

Eine gut getaktete Maschine aus Prozessen, Menschen, Technologie und Zeitfenstern. Kurz, ein Ort, der für Bewegung ausgelegt ist.

Digitalisierung an Flughäfen

Diese präzise Taktung wäre ohne umfassende Digitalisierung längst nicht mehr beherrschbar. In vernetzten Systemen laufen Datenströme zusammen und Algorithmen arbeiten, um Bewegungen zu prognostizieren, Engpässe zu berechnen und Entscheidungen in Echtzeit zu unterstützen.

Neue Technologien, steigende Verkehrsaufkommen sowie wachsende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit treiben diese Entwicklung kontinuierlich voran. Digitale Plattformen verknüpfen heute Flugplandaten, Wetterinformationen, Bodenprozesse und Ressourcenplanung zu integrierten Steuerungssystemen.

Der Flughafen entwickelt sich damit zunehmend zu einer datengetriebenen Infrastruktur – und das Gesamtsystem befindet sich in einem kontinuierlichen Wandel.

Automatisierte Gepäckverladung für effizientere Bodenprozesse

Umso erstaunlicher ist es, dass einige Prozesse in diesem Kosmos nahezu unverändert geblieben sind. So wird die Gepäckverladung bei Schmalrumpfflugzeugen (engl. Narrow Body Aircrafts) heute zu großen Teilen noch genauso durchgeführt, wie vor 40 Jahren.

Schmalrumpfflugzeuge bilden das Rückgrat des weltweiten Kurz- und Mittelstreckenverkehrs. Sie sind wirtschaftlich, flexibel einsetzbar und auf hohe Frequenzen ausgelegt – genau jene Eigenschaften, die moderne Drehkreuze benötigen. Durch ihre vergleichsweise schnelle Abfertigung, geringere Betriebskosten und die Möglichkeit, auch kleinere Flughäfen anzubinden, ermöglichen sie dichte Streckennetze und hohe Umlaufzahlen pro Tag.

Eine Modernisierung und konsequente Automatisierung der Boden- und Abfertigungsprozesse im Schmalrumpfsegment, um Durchlaufzeiten zu verkürzen und Fehlerquellen zu reduzieren, hat weitreichende Auswirkungen auf den Flugverkehr und trägt dazu bei, die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu steigern.

Ein starkes Netz regionaler Partner

Im Projekt "Automatisiertes Gepäckhandling für Narrow-Body-Aircrafts (AGNBA)" arbeiten wir gemeinsam mit starken regionalen Partnern an einem zukunftsweisenden Verladesystem für Schmalrumpfflugzeuge. Ziel ist es, Verbesserungspotenziale in den Gepäckabfertigungsabläufen zu identifizieren, Digitalisierungslücken zu schließen und Abläufe zu automatisieren.

Projektpartner sind:

Das Vorhaben wird gemeinsam mit der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH im Rahmen der Initiative Innovationsflughafen PAD umgesetzt. Der Innovationsflughafen ermöglicht es unserem Projekt, Lösungen unter optimalen Bedingungen realitätsnah zu entwickeln und zu erproben.

Intelligente Datenerfassung macht Prozesse sicht- und steuerbar

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Maschinendatenerfassung wissen wir: Eine effiziente Prozesssteuerung setzt eine systematische und kontinuierliche Datenerhebung voraus. Betriebsdaten müssen strukturiert erfasst und zusammengeführt werden. Nur so lässt sich Transparenz über Abläufe, Auslastungen und mögliche Engpässe schaffen.

In der Praxis stammen diese Daten jedoch häufig aus unterschiedlichen Quellen. Maschinen, Steuerungen und IT-Systeme nutzen verschiedene Datenformate, Strukturen und Kommunikationsprotokolle. Damit diese Informationen nutzbar werden, müssen sie vereinheitlicht und in eine gemeinsame Datenbasis integriert werden.

So entsteht eine konsistente und auswertbare Datengrundlage. Maschinenzustände, Laufzeiten, Stillstände und Durchlaufzeiten werden messbar und vergleichbar. Auf dieser Basis lassen sich Prozesse fundiert analysieren und gezielt verbessern.

Von Inselsystemen zum Digitalen Zwilling

Wir bringen unsere Kompetenzen in den Bereichen Vernetzung und Datenerfassung in das Projekt AGNBA ein, um vorhandene Datenquellen zu erschließen und sie für unsere Projektpartner nutzbar zu machen.

In Kombination mit innovativer Sensorik entsteht unter unserer Federführung am Flughafen Paderborn/Lippstadt ein umfangreicher digitaler Fußabdruck des Gepäckverladeprozesses. Dieser sogenannte „Datenschatten” bildet die Grundlage für einen digitalen Zwilling, mit dem sich Gepäckstücke lückenlos nachverfolgen und die Be- und Entladeprozesse effizient steuern lassen.

Die Daten werden beispielsweise für die Entwicklung von Packstrategien genutzt, die einen sicheren Transport gewährleisten und das Risiko von Transportschäden minimieren. Für Flugreisende bedeutet dies mehr Transparenz, da sie jederzeit den aktuellen Standort ihres Gepäcks erfragen können. So erreichen wir effizientere Prozesse für den Flughafen und ein entspanntes Reisen für die Fluggäste.

Sollte dennoch einmal ein Gepäckstück nicht den Weg in den Flieger finden, hilft der Digitale Zwilling, den aktuellen Aufenthaltsort und gegebenenfalls den Grund der Ausschleusung schneller zu ermitteln und die notwendigen Schritte einzuleiten, damit Reisende nicht auf ihre Habseligkeiten oder Urlaubssouvenirs verzichten müssen.

Neue Wege mit ausgezeichneten Ideen

Wir konnten die Gutachterinnen und Gutachter des Innovationswettbewerbs NeueWege.IN.NRW von unserem Konzept überzeugen und freuen uns, dass die Europäische Union und das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen unser Vorhaben fördern.

Als Teil der Innovationswettbewerbe des EFRE/JTF-Programms NRW 2021-2027 zielt NeueWege.IN.NRW vor allem auf Verbundvorhaben von KMU ab, die inhaltlich auf eines der sechs Innovationsfelder der regionalen Innovationsstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen ausgerichtet sind.

Ziel ist es, ein sicheres, nachhaltiges, ökonomisch sinnvolles und zuverlässiges Mobilitätssystem für Personen sowie Güter in der Logistik zu entwickeln. Dabei sollen auch die Herausforderungen des Klimawandels berücksichtigt werden.

Wirtschaftsfaktor Flughafen

Flughäfen verbinden nicht nur Orte, sondern auch Systeme in Echtzeit und im globalen Maßstab. In diesem Verbund spielen neben internationalen Drehkreuzen in Europa und dem Rest der Welt auch regionale Flughäfen eine entscheidende Rolle.

Sie übernehmen eine strategische Brückenfunktion, sichern die Erreichbarkeit für mittelständisch geprägte Wirtschaftsstandorte, verkürzen Reisezeiten und erhöhen die Attraktivität einer Region für Investitionen. Internationale Geschäftsbeziehungen, Forschungskooperationen oder hochspezialisierte Produktionsketten sind heute ohne zuverlässige Luftverkehrsanbindung kaum denkbar.

Gleichzeitig entwickeln sich Flughäfen zunehmend zu Innovationsräumen für neue Technologien und digitale Lösungen. Die hohe Prozessdichte, die Vielzahl beteiligter Akteure und die Notwendigkeit präziser Abstimmung machen sie zu idealen Testfeldern.

Durch die gemeinsame Entwicklung und Erprobung neuer Ansätze können wir mit AGNBA untersuchen, wie Daten transparenter genutzt, Prozesse besser koordiniert und operative Abläufe effizienter gestaltet werden können.

Denn die Zukunft der Luftfahrt entscheidet sich nicht allein in neuen Flugzeugtypen. Sie entsteht dort, wo Prozesse intelligenter, Systeme vernetzter und Entscheidungen datenbasierter werden – und wo Partner gemeinsam daran arbeiten, diese Innovationen in die Praxis zu bringen.

Dieses Projekt wird gefördert: